Wissenswertes

Mitmachen bei der Freiwilligen Feuerwehr in Österreich

Im Gespräch mit Richard Berger

Gastbeitrag von: Allianz Redaktion
Lesezeit: 5 min
Veröffentlicht am: 29.04.2026

Von der Faszination zur Verantwortung

Blaulicht, Sirenen, Sekundenentscheidung – für viele beginnt die Faszination Feuerwehr so. Für Richard Berger bedeutet sie seit über 30 Jahren gelebte Verantwortung. Er ist seit seinem 12. Lebensjahr bei der Freiwilligen Feuerwehr aktiv und zählt heute zu den prägendsten Stimmen im österreichischen Feuerwehrwesen. Als Leiter für Medienkooperationen und stellvertretender Pressesprecher des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes sowie als Ausbildner an mehreren Feuerwehrschulen kennt er die Herausforderungen und Chancen des Ehrenamts aus jahrzehntelanger Erfahrung. Im Gespräch berichtet er über Motivation, Ausbildung, Sicherheit und die Zukunft der Freiwilligen Feuerwehr in Österreich.

Über 30 Jahre im Dienst der Gesellschaft

„Mein Name ist Richard Berger und ich bin seit meinem 12. Lebensjahr bei der Freiwilligen Feuerwehr“, erzählt Berger. Seit 2011 ist er Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Wiener Neustadt, wo er die Öffentlichkeitsarbeit als Gehilfe des Kommandos verantwortet.

Seine Laufbahn ist ebenso vielfältig wie beeindruckend: Seit 2006 ist er Einsatztaucher, seit 2013 Ausbildner im Tauchdienst und aktuell Zugskommandant-Stellvertreter im Tauchzug Niederösterreich Süd. Die Feuerwehr liegt bei ihm in der Familie – sein Vater war bereits Feuerwehroffizier in Mödling, wo Berger seine Karriere begann, bis er 2011 nach Wiener Neustadt übersiedelte.

Neben dem Einsatzdienst unterrichtet er seit vielen Jahren an Feuerwehrschulen Öffentlichkeitsarbeit und Rhetorik. Seit 2025 ist er zudem Ausbildner an der Österreichischen Feuerwehr- und Katastrophenschutzakademie (ÖFKAD) für Krisen- und interne Kommunikation.

Richard Berger

Medienarbeit im Bundesfeuerwehrverband

Beruflich ist Berger seit zehn Jahren in der ÖBFV Medien GmbH tätig, der Medien- und Kommunikationsgesellschaft des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes. Dort ist er Leiter für Medienkooperationen und stellvertretender Pressesprecher des Feuerwehrpräsidenten.

„Ich bin unter anderem für den wirtschaftlichen Hintergrund des Magazins FEUERWEHR. AT sowie für die Abwicklung von Kommunikationsprojekten, Messen und Veranstaltungen verantwortlich“, erklärt Berger. Als zertifizierter Erwachsenenbildner unterrichtet er an fünf Feuerwehrschulen und der ÖFKAD. Zusätzlich bietet er als zertifizierter Mediator im Rahmen seiner Anstellung Beratung im Konfliktmanagement an.

Foto: ©M.SEYFERT|FEUERWEHR.AT

Mehr als Blaulicht und Sirenen: Warum Menschen zur Feuerwehr gehen

Motivation im Wandel

„Die Beweggründe hängen stark vom Alter ab“, erklärt Berger. Während junge Menschen häufig durch Action und Teamgeist angesprochen werden, rücke mit zunehmender Reife das bewusste Helfen in den Mittelpunkt. Manche treten der Feuerwehr auch nach einem persönlichen Notfall bei – aus Dankbarkeit und dem Wunsch, etwas zurückzugeben.

Damit spricht Berger typische Gründe an, warum Menschen sich für Freiwilligenarbeit bei der Feuerwehr entscheiden und ehrenamtlich mitmachen möchten.

Missverständnisse über den Zeitaufwand

Ein häufiges Missverständnis betrifft den Umfang der Tätigkeit. „Pro Einsatzstunde fallen rund neun Stunden an Vorbereitung, Ausbildung, Übung und Nacharbeit an“, betont Berger. Wer etwa 20 Einsätze pro Jahr à zwei Stunden fährt, leistet damit rund 400 Stunden ehrenamtliche Arbeit jährlich – größtenteils unsichtbar für die Öffentlichkeit.

Für Interessierte ist dieser Blick auf den tatsächlichen Zeitaufwand bei der Freiwilligen Feuerwehr besonders wichtig, um eine realistische Vorstellung vom Engagement zu bekommen.

Feuerwehrmann im Einsatz

Persönliche Eigenschaften und Fähigkeiten

Feuerwehrmitglieder zeichnen sich laut Berger durch hohe Resilienz aus. Sie bleiben in Stresssituationen handlungsfähig, treffen klare Entscheidungen und arbeiten strukturiert hierarchisch. Diese Fähigkeiten wirken weit über den Einsatzdienst hinaus – im Berufsleben, in der Familie und im gesellschaftlichen Engagement.

Wer bei der Freiwilligen Feuerwehr mitmachen möchte, sollte also Belastbarkeit, Teamfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein mitbringen oder bereit sein, diese Eigenschaften zu entwickeln.

Voraussetzungen und Aufnahme

Einstieg und Ausbildung bei der Freiwilligen Feuerwehr

Der Einstieg ist einfacher als viele vermuten. Die Feuerwehrjugend nimmt in manchen Bundesländern bereits Kinder ab sechs oder acht Jahren auf. Für den Einsatzdienst gelten das vollendete 15. oder 16. Lebensjahr (je nach Bundesland), ein einwandfreier Leumund und gesundheitliche Eignung.

Der Aufnahmeprozess erfolgt über die örtliche Feuerwehr. Nach einer ärztlichen Bestätigung der allgemeinen Einsatztauglichkeit entscheidet das Kommando über die Aufnahme – oft innerhalb weniger Minuten. Damit ist der erste Schritt zum Ehrenamt bei der Freiwilligen Feuerwehr schnell getan.

Feuerwehrmann bei einer Übung

Ausbildung und Spezialisierung

Die Grundausbildung findet auf Ortsebene statt und endet mit einem Abschlusstest. Danach stehen zahlreiche kostenlose Weiterbildungen offen, darunter unter anderem:
Atem- und Schadstoffdienst
Einsatztauchen
Waldbrandbekämpfung
Ausbildung zum Flughelfer
Feuerwehrsanitätsdienst
Katastrophenschutz und Einsatzführungsstab
Führungsausbildungen

Auch moderne Einsatztechniken wie Drohneneinsätze oder Tunnelrettung werden in spezialisierten Lehrgängen vermittelt. All das ist abhängig vom Einsatzgebiet sowie den individuellen Aufgaben und Zuständigkeiten der jeweiligen Feuerwehr.

Für Menschen, die bei der Freiwilligen Feuerwehr in Österreich einsteigen möchten, eröffnet sich damit ein breites Spektrum an Qualifikationen und Spezialisierungen.

Zeitaufwand, Sicherheit und psychische Belastung

Der zeitliche Einsatz variiert stark – von einer Übung pro Monat bis zu mehreren Einheiten pro Woche bei besonders engagierten Mitgliedern. Einsätze während der Arbeitszeit müssen individuell mit Arbeitgebern abgestimmt werden.

In puncto Sicherheit gilt für Berger ein klares Prinzip: „Das höchste Gut ist das Menschenleben.“ Moderne Schutzbekleidung, laufende Schulungen und einsatztaktische Weiterentwicklungen sollen Feuerwehrmitglieder bestmöglich schützen.

Für belastende Einsätze stehen geschulte Peer Teams zur Verfügung, bei Bedarf auch professionelle psychologische Unterstützung. Wer sich für ein Ehrenamt bei der Feuerwehr interessiert, sollte wissen, dass auch für die psychische Gesundheit Vorsorge getroffen wird.

Versicherung und Absicherung für Feuerwehrmitglieder

Unfälle im Übungs- und Einsatzdienst gelten über die AUVA als Arbeitsunfälle. Zusätzliche Absicherungen liegen bei den Feuerwehren oder den Mitgliedern selbst. Berger empfiehlt ergänzend private Unfall-, Kranken- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen sowie – besonders für Führungskräfte – eine Rechtsschutzversicherung.

Versicherungen spielen im Feuerwehrwesen insgesamt eine zentrale Rolle: Einerseits durch die Feuerschutzsteuer und Einsatzkostenabrechnungen, andererseits im Schutz der Feuerwehrmitglieder vor rechtlichen, gesundheitlichen oder finanziellen Risiken, etwa bei Unfällen auf dem Weg zum Einsatz.

Der Schutz von Menschen in Ausnahmesituationen ist eine gemeinsame Aufgabe vieler Akteure. Neben den Feuerwehren selbst leisten auch Partner aus Wirtschaft und Gesellschaft einen Beitrag dazu, dass ehrenamtliches Engagement sicher ausgeübt werden kann. Als Kooperationspartner des Bundesfeuerwehrverbands sieht sich die Allianz als verlässlicher Begleiter, der Verantwortung, Prävention und Absicherung in den Mittelpunkt stellt.

Zukunft und Herausforderungen der Freiwilligen Feuerwehr

Feuerwehrmänner löschen einen Brand

Die Mitgliederzahlen steigen, jedoch langsamer als die Bevölkerung wächst. Wachstum kommt vor allem durch Frauen, deren Anzahl bei Österreichs Feuerwehren seit 2008 um mehr als 200 Prozent gestiegen ist. Herausforderungen bestehen insbesondere bei Übergangsphasen im Lebenslauf – Schulwechsel, Berufsstart, Familiengründung.

Zusätzlich beeinflussen Klimawandel und Extremwetter die Einsätze erheblich. Länger andauernde Wetterereignisse fordern Einsatzkräfte über Tage hinweg. Hier kommt dem bundesweiten Katastrophenhilfsdienst der Feuerwehren eine immer größere Bedeutung zu.

Langfristig sieht Berger vor allem im urbanen Raum Risiken für die Freiwilligkeit. Gleichzeitig müsse stärker kommuniziert werden, dass Feuerwehrdienst auch persönliche Vorteile bringt – etwa durch Qualifikation und Führungskompetenz. Wer heute bei der Freiwilligen Feuerwehr mitmacht, baut Kompetenzen auf, die im Beruf und im Privatleben gefragt sind.

Praktische Tipps für alle, die bei der Freiwilligen Feuerwehr mitmachen wollen

Was Sie wissen sollten

„Man sollte sich im Klaren sein, dass die Feuerwehr mehr als ein Hobby ist“, betont Berger. „Man gibt der Gesellschaft etwas zurück und hilft anderen, die in Not geraten sind. Man sieht Dinge, die man

außerhalb der Feuerwehr vielleicht nur aus Filmen kennt – im Positiven wie auch im Tragischen. Man bekommt eine zweite Familie, mit allem, was dazugehört.“

Tipp für Unentschlossene

„Sprechen Sie mit Feuerwehrmitgliedern Ihrer Gemeinde“, rät Berger. „Machen Sie sich ein Bild von Ihrer Feuerwehr abseits von Feuerwehrfesten und -bällen. Gehen Sie ins Zeughaus und schnuppern Sie hinein. Und schicken Sie Ihre Kinder zur Feuerwehrjugend: Es ist eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, in welcher von Erster Hilfe über Löschhilfe bis hin zu technischem Wissen alles vermittelt wird. Es ist kostenlos und Sie sorgen damit dafür, dass die Zukunft der Feuerwehr in Österreich bestehen bleibt.“

Unverbindlich informieren

„Das Video über das österreichische Feuerwehrwesen verdeutlicht einiges“, empfiehlt Berger, „und die Mailadresse oder Telefonnummer des Feuerwehrkommandanten ist vielerorts auf der regionalen Homepage veröffentlicht. Am einfachsten: anrufen und einen Termin vereinbaren.“

Wer sich für Freiwilligenarbeit bei der Feuerwehr interessiert, kann so unverbindlich den ersten Schritt setzen.

Fazit: Feuerwehr ist mehr als ein Hobby

„Feuerwehr ist mehr als ein Hobby“, betont Berger. „Man hilft anderen in Ausnahmesituationen, erlebt Tragisches, aber bekommt auch enorm viel zurück – vor allem eine zweite Familie.“

Sein Rat an Unentschlossene: mit der örtlichen Feuerwehr sprechen, ein Zeughaus besuchen und hineinschnuppern. Besonders die Feuerwehrjugend sei eine wertvolle, kostenlose Freizeitbeschäftigung, die Teamgeist, Verantwortung und lebenswichtige Fähigkeiten vermittelt.

Kameradschaft, sagt Berger zum Schluss, bedeute für ihn „Vertrauen, Sicherheit – und schwarzen Humor“.

Good to know

Häufige Fragen zum Mitmachen bei der Freiwilligen Feuerwehr in Österreich