Psychische Herausforderungen bei Kindern und Jugendlichen 

Von: Allianz Redaktion & Instahelp / Lesezeit: 4 Min / veröffentlicht am: 12.12.2023
Wir erwarten, dass Kinder sich freudestrahlend in das Abenteuer Leben stürzen und gehen davon aus, dass wir sie vor den wahren Problemen der Welt bestmöglich schützen können. Dabei sind wir so sehr mit unseren eigenen Themen beschäftigt, dass es oft gar nicht auffällt, wenn sich ein Schatten rund um die Empfindung unserer Kleinen legt. Deren Verhaltensweisen deuten wir dann manchmal als „schwierige Phase“ oder “Pubertäres Trotzverhalten” und übersehen, dass es auch im Leben von Kindern und Jugendlichen Hochs und Tiefs gibt, die es zu bewältigen gilt. Lesen Sie hier, woran man erkennen kann, wenn das eigene Kind psychische Probleme hat und wie man damit umgeht, wenn die Seele blaue Flecken hat. 
Glücklicherweise trifft diese Annahme auf viele Kinder zu – jedoch leider nicht auf alle. Psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen sind gar nicht so selten, wie man vielleicht vermuten mag. Nicht zuletzt hat auch die Corona-Pandemie ihren Teil dazu beigetragen, deren Leben auf den Kopf zu stellen. Einer Studie der Donau-Universität Krems zufolge weisen 62% der Mädchen und 38% der Buben zwischen 14 und 20 Jahren eine mittelgradige depressive Symptomatik auf. Hinzu kommen Angsterkrankungen, Schlaf- und Essstörungen sowie Suizidgedanken, die bei einem Fünftel der befragten Mädchen und bei 14% der Buben geäußert wurden. Umso wichtiger ist es, genau hinzusehen, Symptome ernst zu nehmen und rechtzeitig aktiv zu werden. 

Jeder Mensch, der Kinder hat, weiß: Es gibt immer mal wieder Phasen, in denen die Laune im Keller ist. Wenn Sie Ihr Kind also hin und wieder mürrisch erleben, es manchmal Phasen voller Selbstzweifel oder Traurigkeit gibt und Sie depressive oder ängstliche Symptome bemerken, ist das nicht unbedingt ein Grund, sofort an eine psychische Erkrankung zu denken. Hellhörig sollten Sie jedoch in jedem Fall werden, wenn:

  • der Alltag des Kindes maßgeblich beeinträchtigt ist,
  • die Phase immer wieder kommt und einige Wochen andauert,
  • das Kind sich verändert und Verhaltensauffälligkeiten zeigt,
  • körperliche Symptome auftreten: Gewichtsabnahme oder -zunahme, Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche, Schmerzen,
  • das Kind aktiv um Hilfe bittet,
  • ausnahmslos immer, wenn Suizidgedanken geäußert werden.

Die meisten Eltern legen glücklicherweise größten Wert darauf, nur das Beste für ihren Nachwuchs zu erstreben. Umso mehr erschüttert es das eigene Weltbild, wenn psychische Probleme auftauchen, wo doch jeglicher Weg für das Kind geebnet wurde. An dieser Stelle ist es ganz wichtig zu wissen: Es gibt eine Vielzahl an Auslösern und Ursachen dafür, dass ein Kind oder Jugendlicher psychische Probleme entwickelt. Die Suche nach einem oder einer „Schuldigen“ bringt sehr wahrscheinlich keinen Nutzen. Dennoch kann es hilfreich sein, auch das eigene Verhalten zu beobachten und zu hinterfragen. Häufige Auslöser für psychische Probleme im Kindes- und Jugendalter sind:

  • genetische Faktoren,
  • Schwierigkeiten mit anderen Kindern und Jugendlichen, Mobbing,
  • mangelndes Selbstwertgefühl,
  • Unsicherheit und fehlende soziale Kontakte,
  • Aktivitätsmangel und sozialer Rückzug, mangelnde Perspektiven und Lebenssinn,
  • fehlende Stabilität, Überforderung, überhöhte Ansprüche aus dem Elternhaus,
  • Traumatisierung.

Oft sind Eltern so sehr in ihren alltäglichen Mustern gefangen, dass sie kränkendes Verhalten in Bezug auf ihre Kinder nicht bewusst wahrnehmen und verzweifelt nach einer Ursache für die Befindlichkeit des Jugendlichen suchen. Hier kann ein professioneller Blick von außen in Form einer psychologischen Beratung hilfreich sein, um auch eigene Muster kritisch hinterfragen und auflösen zu können. 

 

Sie haben bemerkt, dass es Ihrem Kind nicht gut geht und möchten helfen? Dann haben Sie schon den ersten und wichtigsten Schritt getan. Sie selbst können zwar da sein und ein offenes Ohr anbieten, Sie können aber sehr wahrscheinlich keinen Psychologen und keine Psychologin ersetzen.

Das können Sie tun, wenn Sie psychische Probleme bei Ihrem Kind vermuten:

  1. Sprechen Sie das Kind direkt an und geben Sie die Möglichkeit, darüber zu reden. Akzeptieren Sie aber auch, wenn Sie nicht die richtige Ansprechperson sind. Vermitteln Sie zu anderen Personen, denen sich das Kind vielleicht lieber anvertrauen möchte.
  2. Respektieren Sie die Privatsphäre des Kindes und reden Sie nicht vor ihm mit anderen Menschen über persönliche Dinge. Dies beschämt und schwächt das Vertrauen.
  3. Nehmen Sie Ihr Kind so an, wie es im Moment ist und versuchen Sie nicht, es zu irgendetwas zu drängen. Gut gemeinte soziale Aktivitäten und Vernetzung zu vermeintlichen Freunden können oft als großer Druck wahrgenommen werden. Respektieren Sie die aktuelle Befindlichkeit und versuchen Sie nicht, das Kind zu verändern. Signalisieren Sie: Ich liebe dich so wie du bist!
  4. Nehmen Sie die Sorgen und Bedürfnisse des Kindes ernst und spielen Sie diese nicht durch Aussagen wie diese herunter: „Sei froh, dass es dir so gut geht! Andere haben es viel schlechter erwischt” oder „Stell dich doch nicht so an, du willst ja nur nicht zur Schule gehen”.
  5. Suchen Sie gemeinsam professionelle Hilfe und lassen Sie das Kind unbedingt mit entscheiden, bei welcher Person es sich im Moment wohl fühlt. Nicht für jedes Problem ist auch jede Person geeignet. So braucht ein 14-jähriges Mädchen oder ein Junge mit Liebeskummer vielleicht eine andere Begleitung als Jugendliche, die unter den Verhaltensweisen ihrer Klassenkameraden leiden. 

  Wichtig: Es gibt viele Möglichkeiten, wie Sie Ihrem Kind helfen können. Indem Sie sich aktiv mit den Bedürfnissen auseinandersetzen und das Kind so annehmen, wie es ist, leisten Sie schon den wichtigsten Beitrag. Wann immer Sie das Gefühl haben, Ihr Kind gerade nicht verstehen zu können, versuchen Sie es mit folgender Übung:

Schließen Sie für einen Moment die Augen und versuchen Sie, die Welt aus den Augen Ihres Kindes zu sehen. Schlüpfen Sie dazu gedanklich in seine Haut und erleben Sie einen Tag im Leben des Kindes. Was sieht und fühlt es wohl, wenn es morgens aufwacht? Welche Menschen trifft es im Lauf eines Tages? Welchen Herausforderungen muss es sich täglich stellen? Wie fühlt es sich, wenn es in der Schule ist und wie, wenn es wieder nach Hause kommt? Was nimmt das Kind im Laufe des Tages von Ihnen wahr? Welche Momente der Gemeinschaft gibt es? Wie endet der Tag üblicherweise und wann hatte es die Gelegenheit, über den Tag zu sprechen?

Wie geht es Ihnen bei dieser Übung? Finden Sie Antworten auf diese Fragen? Falls nein, dann kann dies schon der erste Anstoß sein, mit Ihrem Kind in ein offenes Gespräch zu gehen.

Achten Sie dabei auch immer auf sich selbst. Denn nur, wenn Sie selbst als Mutter oder Vater mental stark sind, können Sie auch eine Stütze für Ihre Familie sein. Wir alle sind Menschen und wir alle machen Fehler – scheuen Sie sich nicht davor, auch selbst professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn das Leben Sie vor größere Herausforderungen stellt.

Wann immer Sie Veränderungen im Erleben oder Verhalten Ihres Kindes merken, kann psychologische Unterstützung sinnvoll sein. Zum Beispiel ganz flexibel und zu Hause aus über Instahelp, der Plattform für psychologische Beratung online. Ein Blick von außen gibt eine erste Orientierung, um welche Problematik es sich handelt und welche Form der Hilfestellung geeignet ist. Die psychologische Beratung bei Instahelp holt Ihre Familie online ganz unkompliziert und flexibel ab. Gemeinsam mit qualifizierten Psycholog:innen können Sie über all Ihre Gedanken und Sorgen sprechen. Dieses Angebot kann sowohl für Sie als Eltern als auch für Ihre Tochter oder Ihren Sohn persönlich eine wertvolle Ressource sein, um neue Perspektiven zu entwickeln.
In schwierigen Lebensphasen bietet die Online-Beratung einen besonders großen Mehrwert, da Sie direkt von zu Hause aus mit dem Psychologen und der Psychologin Kontakt aufnehmen können. Die Wartezeit ist gering, die Kontaktaufnahme einfach und der Beratungsprozess anonym. Dies bietet Ihnen die Möglichkeit, gemeinsam Strategien zu erarbeiten, um zukünftige Herausforderungen gestärkt zu meistern.