Grundsätzlich ja – allerdings mit einer spürbaren Zeitverzögerung. Das österreichische System valorisiert die Pensionen auf Basis der Teuerung des vorangegangenen Zeitraums. Was auf den ersten Blick fair wirkt, birgt in der Praxis ein strukturelles Problem: Steigen die Preise rasch und kräftig an, schlägt sich diese Entwicklung erst mit Verspätung auf Ihrem Pensionskonto nieder.
Ein Blick auf das Krisenjahr 2022 verdeutlicht das Problem: Während die Inflation auf 8,5 % kletterte, betrug die reguläre Pensionsanpassung lediglich 1,8 %. Das bedeutete einen realen Kaufkraftverlust von -6,7 % binnen eines einzigen Jahres. Wer damals eine monatliche Bruttopension von € 2.000 bezog, verlor innerhalb von zwölf Monaten real € 134 an Kaufkraft.
Zwar reagierte der Gesetzgeber für das Jahr 2024 mit einem kräftigen Plus von +9,7 % – der höchsten Anpassung seit Jahrzehnten –, doch fängt dies den entstandenen Schaden rückwirkend nicht vollständig auf. Verlorene Kaufkraft lässt sich im Nachhinein kaum kompensieren: Zukünftige Auszahlungen steigen zwar, die Realeinkommensverluste der Vorjahre bleiben jedoch bestehen.
Über eine Zehnjahressicht ergibt sich ein klares Bild: Einer kumulierten Teuerung von +37,3 % steht eine Anpassung der Pensionen von +35,8 % gegenüber. Ein rechnerischer Ausgleich auf dem Papier, der in der Realität trügerisch ist. Denn die temporären Einbußen treffen Pensionistinnen und Pensionisten unmittelbar dann, wenn die alltäglichen Kosten für Heizen, Energie, Wohnen oder Gesundheit sprunghaft steigen.